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Über das Training

Psychologische Flexibilität: Der unterschätzte Hebel für mentale Gesundheit im Unternehmen

In der modernen Arbeitswelt gehört mentale Gesundheit zum guten Ton. Der Markt für Corporate Health ist vielfältig: Meditationsapps und Stressmanagementkurse werden mit wissenschaftlich klingenden Schlagworten und dem Versprechen auf den schnellen Return on Investment (ROI) angepriesen. Trotz einer Flut an BGM-Maßnahmen und Meditations-Apps zeichnen die Daten der großen Versicherer wie der DAK oder TK ein alarmierendes Bild: Die Fehlzeiten aufgrund psychischer Diagnosen verharren auf Rekordniveau. Woran liegt es, dass wir einerseits mehr mentale Wellness konsumieren und andererseits immer stärker belastet sind?

Verkehrs-HInweisschuld mit vier Spuren und vier Pfeilen daruner das Wort Flexibility als Sinnbild für psychologische Flexibilität

Weg von der „Toolbox“, hin zur Transformation: Warum wir mentale Gesundheit im Unternehmen neu denken müssen

Möglicherweise sind viele Angebote Standardlösungen, die jedoch an der individuellen Komplexität des Alltags vorbeigehen. Wir müssen weg von einer „Buffet- oder Schema-F-Mentalität“ hin zur Vermittlung universeller grundlegender Fertigkeiten im Bereich mentaler Gesundheit. Wer leistungsfähige, motivierte Mitarbeitende haben möchte, sollte in die psychologische Flexibilität investieren. Unternehmen, die psychologische Flexibilität fördern, schaffen die Basis für agile, anpassungsfähige und resiliente Teams.

Psychologische Flexibilität- der unterschätzte Hebel

Den wissenschaftlichen Beleg für diesen Paradigmenwechsel liefert eine bahnbrechende Metastudie (Hayes et al., 2022), die über 54.000 Untersuchungen zur Wirksamkeit von Veränderungsprozessen analysierte. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass der entscheidende Hebel für gesunde Verhaltensveränderungen die psychologische Flexibilität ist. Während es lange Zeit State of the Art war, Gedanken inhaltlich zu verändern, geht es bei der psychologischen Flexibilität um die Art und Weise, wie wir mit Gedanken umgehen.

Drei Kernkompetenzen stehen dabei im Zentrum:

  • Präsenz (Awareness) – raus aus dem Autopiloten.
    Es ist die Fähigkeit, Situationen im Hier und Jetzt wahrzunehmen. Für Führungskräfte bedeutet dies, in Hochdruckphasen nicht impulsiv zu reagieren, sondern eine bewusste Beobachterrolle einzunehmen. Dies ermöglicht es, zum Beispiel bessere Entscheidungen treffen zu können. Wer präsent ist, erkennt Dynamiken im Team und handelt auf Basis von Fakten anstatt aus der Emotion heraus.
  • Offenheit (Openness) – Akzeptanz eröffnet neue Ressourcen.
    Häufig verschwenden Mitarbeitende enorme mentale Ressourcen darauf, unangenehme Gefühle wie Unsicherheit oder Ängste zu bekämpfen. Offenheit bedeutet, diese Zustände als natürliche Begleiterscheinungen in der Arbeitswelt anzuerkennen. Diese Haltung spart Energie, die dann wieder in die Arbeit, Kreativität und Flexibilität fließen kann.
  • Werteorientiertes Engagement (Actively Engaged) – der Kompass für Klarheit.
    Wer seine persönlichen und beruflichen Werte klar definiert hat, kann auch inmitten von einer Informationsflut oder Chaos zielgerichtet handeln. Es geht darum, unabhängig von den beruflichen Herausforderungen einen Zugriff auf den inneren Kompass zu haben. Dadurch fällt es leichter, Prioritäten zu setzen.  

Warum äußere Standards ins Leere laufen

Um den strategischen Vorteil der psychologischen Flexibilität zu verstehen, hilft ein Blick auf zwei fiktive Szenarien. Beide Personen nutzen das gleiche Unternehmensangebot „Flexible Arbeitszeiten und Work-Life- Balance“:

Das Beispiel zeigt: Ein Regelwerk kann auf wichtige Strategien hinweisen, ersetzt jedoch nicht die Kompetenz zur Selbstregulation. Von Angeboten zum Training mentaler Flexibilität profitiert sowohl das Unternehmen als auch die Mitarbeitenden im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung.

Person A (Typ Protokoll-Folger):
Diese sitzt pünktlich um 18:00 Uhr am Abendessenstisch. Äußerlich erfüllt sie alle Kriterien der Work-Life-Balance. Doch mental ist sie noch im letzten Meeting. Ihr Stresslevel bleibt hoch. Es wird durch inneres Gedankenkreisen aufrechtgehalten. Hier greift das Protokoll „Feierabend“ ins Leere. Diesem Mitarbeitenden fehlt die Fertigkeit der gedanklichen Distanzierung. Die investierte Zeit in die Erholung ist für das Unternehmen verloren, da keine echte Regeneration im Feierabend stattfindet.

Person B (Typ mental flexibler Performer):
Diese Person beherrscht die Fähigkeit der Distanzierung von belastenden Gedanken. Auch nach einem harten Tag ist sie in der Lage, ihre Aufmerksamkeit zu lenken. Sie benötigt keine starren E-Mail-Verbote, um abzuschalten, weil sie die psychologische Kompetenz besitzt zu erkennen, was sie wann braucht. Sie kann Grenzen flexibel und werteorientiert setzen. Sie nutzt Erholungsphasen effizient und sichert dadurch ihre kognitive Leistungsfähigkeit für den nächsten Tag.

 

Woran gute Programme zu erkennen sind

Wenn Sie künftig über Investitionen in Gesundheitsprogramme entscheiden, sollte die Frage nicht lauten: „Welchen Markennamen kaufen wir ein?“ Die entscheidende Frage lautet: „Stärkt dieses Angebot die Fähigkeit unserer Mitarbeitenden, mit Belastungen selbstständig und flexibel umzugehen?“

Achten Sie auf diese drei Qualitätsmerkmale:

Individualität vor Standard:
Bietet das Programm Werkzeuge zur Auflösung spezifischer innerer Blockaden oder lediglich eine Einheitslösung nach dem Gießkannenprinzip?

Befähigung statt Management:
Lernen Mitarbeitende, schwierige Gedanken mühsam zu „verändern“ (was wissenschaftlich oft zum Scheitern verurteilt ist), oder entwickeln sie eine distanzierte Haltung zu diesen Gedanken?

Gezielte Wirkung:
Große Transformationen resultieren oft aus minimalen Verschiebungen in der Wahrnehmung. Ein gezielter Impuls zur psychologischen Flexibilität ist oft wirksamer als breit angelegte Seminare, deren Effekt bereits nach wenigen Tagen im Alltag verpufft.

Die Zukunft der betrieblichen Gesundheit liegt nicht in immer neuen Tools, sondern in der Fähigkeit der Menschen, mit sich selbst gut umzugehen. Unternehmen, die psychologische Flexibilität fördern, schaffen Teams, die in einer komplexen Welt wirksam und gesund bleiben.

E-Mail

Metakognition verstehen – in 5 Mails

In den nächsten 5 Wochen erhältst Du eine E-Mail pro Woche und lernst wichtige Basics über Deine Denkprozesse und welche Rolle Metakognitionen dabei spielen. 

Hayes, S. C., Ciarrochi, J., Hofmann, S. G., Chin, F., & Sahdra, B. (2022). Evolving an idionomic approach to processes of change: Towards a unified personalized science of human improvement. Behaviour Research and Therapy, 156, 104141. https://doi.org/10.1016/j.brat.2022.104141

Techniker Krankenkasse (2025): Stressreport 2025. Ergebnisse einer Forsa‑Befragung im Auftrag der Techniker Krankenkasse.

DAK‑Gesundheit (2025): DAK‑Psychreport 2025. Analyse psychisch bedingter Fehltage.

 

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