Gutes Arbeitsklima: Frauen sitzen gemeinsam am Schreibtisch

Arbeitsklima: Wie schaffe ich bessere Stimmung im Büro?

Der Job gehört zu den größten Stressoren im Leben eines modernen Menschen – und gerade für die Jüngeren ist schlechte Stimmung bei der Arbeit oft ein Kündigungsgrund. Unternehmen, die in ein gutes Betriebsklima investieren, investieren also auch in ihre Bilanzen. Wie gute Stimmung im Büro entsteht – und warum Kickertische nicht ausreichen.

Das Arbeitsklima ist wichtiger als Geld, vor allem, wenn es nach jüngeren Angestellten geht. Das fand die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY in einer Umfrage unter 18 bis 40-Jährigen heraus. Gefragt wurden sie, ob sie über einen Jobwechsel nachdenken – und wenn ja, aus welchem Grund. Während rund ein Viertel der Befragten sich ein höheres Gehalt wünschten, gaben drei von fünf an, dass für sie vor allem das Arbeitsklima im Team entscheidend ist.  

Wer sich im Job unwohl fühlt, mit schlechter Stimmung und Konflikten zu kämpfen hat, ist verständlicherweise demotiviert – oft sogar bis zur inneren Kündigung. Für Unternehmen kann es, neben mieser Stimmung, auch bedeuten:

  • Schlechte Leistungen  
  • Geringere Produktivität  
  • Höhere Fehlerquote 
  • Höhere Kosten durch Ausfälle und Personalfluktuation  

 

Stimmt die Kommunikation im Team nicht, zieht sich das zudem oft bis zum Kundenkontakt hin: Häufige Kundenbeschwerden sind meistens ein guter Indikator für chaotische Verhältnisse im Unternehmen.  

Wer von seinen Mitarbeitenden Höchstleistungen erwartet, muss also für ein entsprechendes Umfeld sorgen – gerade in Jobs, die mit vielen Belastungen und Zeitdruck einhergehen – oder viel Kreativität erfordern. Wer das nicht tut, hat am Ende mit höheren Kosten zu tun, schädigt den Ruf des Unternehmens – und hat vermutlich auch keine große Freude im täglichen Betrieb.  

Was macht überhaupt ein gutes Arbeitsklima aus?

Ein gutes Betriebsklima heißt vor allem gelassene Stimmung: Die Menschen gehen respektvoll, entspannt und freundlich miteinander um (Achtung: Fake-Freundlichkeit deutet auf das Gegenteil hin), sie helfen und unterstützen einander, sie sind größtenteils zufrieden, fühlen sich wertgeschätzt und wissen genau, was sie zu erledigen haben und wohin das Unternehmen steuert. Wertschätzung und Transparenz sind hier also die wichtigsten Kriterien. Die Witze vom Chef, die durchschnittlich verbrachte Zeit am Kickertisch oder der Alkoholpegel während des Betriebsausfluges sind hingegen keine verlässlichen Indikatoren 😊  

Arbeitsklima und Stress

Es gibt wenige Dinge, die so stressen, wie eine schlechte Stimmung am Arbeitsplatz, besonders wenn es um Konflikte oder sogar Mobbing geht. Wer oft gestresst ist, ist natürlich anfälliger für physische und psychische Krankheiten – von Verspannungen über Rückenschmerzen bis zu Magenproblemen. Schlafstörungen, Depressionen, Angstzustände oder sogar Herz-Kreislauferkrankungen können ebenfalls die Folge sein. Deswegen ist es wichtig, für ein gutes Betriebsklima zu sorgen. 

Schlechtes Arbeitsklima erkennen

Eine miese Stimmung ist meist nicht schwer zu erkennen. Zum Beispiel, wenn Deine Mitarbeitenden:  

  • öfter gereizt sind oder ständig klagen bis hin zum Sarkasmus 
  • sich unklar über ihre Aufgaben oder die eigene Rolle im Unternehmen sind 
  • weniger leisten, mehr Fehler oder überflüssige Überstunden machen 
  • oft ausfallen oder zu spät kommen  
  • im Team nicht genügend miteinander kommunizieren oder sogar doppelte Arbeit leisten.

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Und wie sorge ich nun für ein gutes Betriebsklima?

Veränderungen brauchen Zeit. Hat sich erstmal Misstrauen und schlechte Stimmung eingestellt, ist es natürlich etwas komplizierter – aber nicht unmöglich. Wichtig ist: Für Stimmung zu sorgen ist vor allem Führungsaufgabe, was nicht heißt, dass die Führungskraft den Clown spielen muss (das hilft wirklich niemandem). Gibt sich die Chefin oder der Chef jedoch menschlich, nahbar, ist offen für Kritik und neue Ideen und zeigt Wertschätzung für die Belegschaft, ist schon viel gewonnen. 

So kann die Führung ein gutes Arbeitsklima schaffen:  

  • Klare Aufgaben verteilen, die zu den Fähigkeiten der Menschen passen und auch ihre persönlichen Berufsziele berücksichtigen  
  • Fehler als Lernchance begreifen, anstatt eine Gelegenheit zum “Schuldigen suchen” 
  • Ansprechbar sein, im Austausch bleiben  
  • “Coachend” führen 
  • Vertrauen in Mitarbeitende zeigen, sie als Expertinnen für ihren Job sehen
  • Übermäßige Kontrolle und Micromanagement vermeiden
  • Ehrliches Interesse an den Menschen und ihren Wohlergehen zeigen
  • Häufiges Feedback geben und auch welches einholen 
  • Wichtige Informationen rechtzeitig weitergeben und für Fragen zur Verfügung stehen 

Welche Faktoren sind noch wichtig fürs Arbeitsklima?

Die Arbeitsbedingungen 

Solange die nicht stimmen, helfen auch Kickertisch und Betriebsausflug nichts. Das bedeutet: Möglichst wenig Ablenkungen, Stress und Termindruck. Dafür muss natürlich genügend Personal da sein. Dauernde Unterbesetzung ist schlecht fürs Klima und führt nur zu Überlastung, die wiederum zu Ausfällen und noch mehr Stress oder Fehlern führen – und am Ende vermutlich mehr kostet, als durch Personalmangel eingespart wird. Fair und wenn möglich individuell geregelte Arbeitszeiten, Homeoffice-Möglichkeiten verbessern nicht nur die Stimmung, sondern auch die Produktivität und sind inzwischen fester Bestandteil einer modernen Arbeitswelt.  
 

Die Kommunikation  

Zum Beispiel bei der Aufgabenverteilung: Wenn alle wissen, wofür sie zuständig sind, gibt’s weniger Gründe für Konkurrenzkampf, zeitraubende Nachfragen oder doppelte Arbeit. Probleme im Arbeitsablauf sollten offen angesprochen werden und sachlich gelöst werden. Das Gleiche gilt für Konflikte: Anstatt sie schweben zu lassen, offen ansprechen und versuchen, gemeinsam zu lösen. Wenn getroffene Entscheidungen nachvollziehbar sind, auf Vernunft basieren und die Interessen der Mitarbeitenden berücksichtigen, werden sie auch eher mitgetragen.  

Die Prävention  

Stress ist nicht immer schlecht – und im Alltag kommen wir nicht umhin. Gerade in stressigen Jobs kommt es entscheidend darauf an, ob die Mitarbeitenden die richtigen Bewältigungsstrategien kennen und nutzen können. Unternehmen, die sich für die physische und psychische Gesundheit der eigenen Belegschaft engagieren, investieren auch in ihre Leistungsbereitschaft. Dazu gehören natürlich auch metakognitive Fähigkeiten – einmal gelernt, helfen sie in allen Lebenslagen und sind nachweislich entscheidend in der Prävention psychischer Belastungen. 
 

Delizonna, L. (2017). High-Performing Teams Need Psychological Safety. Here’s How to Create It.  [online] https://hbr.org/2017/08/high-performing-teams-need-psychological-safety-heres-how-to-create-it  

Edmondson, Amy C. The Fearless Organization: Creating Psychological Safety in the Workplace for Learning, Innovation, and Growth. Hoboken, NJ: John Wiley & Sons, 2018. 

Edmondson, Amy C., Mortensen Mark (2021). What Psychological Safety Looks Like in a Hybrid Workplace. [online] https://hbr.org/2021/04/what-psychological-safety-looks-like-in-a-hybrid-workplace  

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