Denkfehler

Besser Denken: Social Loafing

Teamarbeit hat ihre Tücken: Manche geben 100 %, andere fahren ihre Leistung herunter oder scheuen, Verantwortung zu übernehmen. Social Loafing ist ein bekanntes Phänomen in der Arbeitswelt. Warum das nichts mit Faulheit zu tun hat – und wie Teams besser motiviert werden können.

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Das Team verdoppeln – und mit zweimal so viel Leistung durchstarten? Von wegen. Wer schon mal bei einer Gruppenarbeit mitgemacht hat, weiß: Manche legen sich extra ins Zeug, während andere sich zurücklehnen. Social Loafing nennt sich das in der Fachsprache, auf Deutsch etwas unglücklich mit Soziales Faulenzen übersetzt. Konkret heißt das: Ist die Einzelleistung bei einer Gruppenarbeit nicht sichtbar oder messbar, reduziert sich die Anspannung und damit die Leistung einzelner Mitglieder. 

 

Der Ringelmann-Effekt

 

Erkannt hat es der Franzose Maximilian Ringelmann Ende des 19. Jahrhunderts, indem er Menschen vor einen Karren spannte. Das gilt als erstes sozialpsychologisches Experiment überhaupt und war wie viele Entdeckungen purer Zufall. Ringelmann war nämlich Agraringenieur und wollte schlicht die Effizienz landwirtschaftlicher Arbeit messen. Er ließ erst Pferde und Ochsen, später Maschinen und Menschen in unterschiedlich großen Gruppen zusammen am Seil ziehen, maß den Kraftaufwand und stellte fest: Mit zunehmender Gruppengröße lässt die Zugkraft Einzelner nach. Dieses Ergebnis ist auch als Ringelmann-Effekt bekannt. 

Ringelmann nahm an, dass Koordinationsschwierigkeiten und auch Motivationsverlust der Mitglieder die Gründe waren. Auch heute vermutet die Forschung, dass das Hirn Energie einsparen möchte und die Gruppensituation als Anlass dafür nutzt – schließlich ist es evolutionär darauf ausgelegt, Anstrengungen möglichst zu vermeiden.  

Später bestätigte sich der Effekt in einer Vielzahl von Experimenten, zum Beispiel beim Rudern, aber auch bei geistiger Arbeit – und zwar wenn nicht klar ist, wer wie viel zur gemeinsamen Anstrengung beiträgt. 1979 prägten amerikanische Psychologen rund um Stephen Harkins den Begriff des Social Loafing: Das Ausruhen auf Kosten anderer. Wer das Gefühl hat, dass der eigene Beitrag nicht sichtbar ist oder nicht zählt, fährt seine Leistung runter. Das geschieht oft unbewusst, weshalb Faulenzen womöglich nicht der beste Begriff ist. 


Social Loafing bei der Arbeit

Dass sich die Kolleg:innen zwischendurch entspannen und nicht die volle Leistung erbringen, ist normal: Schließlich kann niemand jederzeit hundert Prozent geben. Auf Dauer kann Social Loafing jedoch zu weniger Leistung, mangelnder Motivation und auch schlechter Stimmung im Team führen. Wenn Mitarbeiter:innen das Gefühl haben, ihre Leistung sei unsichtbar, sind sie natürlich weniger motiviert. Social Loafing ist außerdem ansteckend: Ruhen sich Einzelne aus, kann die Stimmung schnell auf das gesamte Team überspringen. Wozu sich anstrengen, wenn es niemand sonst tut? Das kann sich zu einem Teufelskreis entwickeln, denn Selbstwirksamkeit ist ein natürliches Bedürfnis. Wer sich also zu lange als wenig nützlich empfindet, ist noch mehr demotiviert. Zum Glück gibt es Wege, Social Loafing zu vermeiden.


Social Loafing in Teams verhindern:   

1. Die Teams verkleinern

In kleinen Gruppen arbeiten einzelne Mitglieder motivierter, ihr Anteil wird sichtbarer und die Aufgaben werden klarer verteilt. Kleinere Gruppen sind generell oft effizienter, da jede:r mehr Überblick behält und alle sich leichter auf Dinge einigen oder gemeinsame Termine finden können. 

2. Routinen vermeiden

Social Loafing tritt vor allem bei Routineaufgaben auf. Wer Gruppen komplexere und sinnvolle Aufgaben gibt, kann Social Loafing vermeiden und sogar zu mehr Leistung anspornen. Natürlich müssen Routineaufgaben dennoch manchmal erledigt werden. Für diesen Fall gibt es einen guten Tipp vom Buchautor Daniel Pink: Wer anderen langweilige Aufgaben aufbrummt, sollte das ehrlich zugeben, und auf keinen Fall so tun, als wären sie spannend. Dabei muss den Mitarbeiter:innen dennoch klar sein, warum die Aufgabe wichtig und sinnvoll ist — und sie sollten selbst entscheiden, wie sie die Aufgabe erfüllen wollen. 

3. Stärken und Leistungen loben 

Haben Einzelne das Gefühl, ihr Beitrag und ihre Stärken seien einzigartig und wertvoll für andere, bleibt soziales Faulenzen eher aus. Wenn die Mitarbeiter:innen sich individuell wertgeschätzt und gefördert fühlen, sind sie motivierter — das gilt auch für gerechte Bezahlung. Feedback-Gespräche können dabei helfen. Zudem können Teammitglieder messbare Ziele aufstellen — deren Erreichen auch mal gefeiert werden kann. 

4. Gruppenzusammenhalt stärken

Wenn die Teammitglieder sinnvolle Ziele haben, die sich nur gemeinsam lösen lassen, hilft das ebenfalls. Eine Verbundenheit im Team kann Social Loafing reduzieren. 

5. Keine unnötige Gruppenarbeit 

Menschen, die Teamarbeit mögen, sind dabei motivierter. Im Umkehrschluss heißt das: Wer keine Lust auf Teamwork hat, sollte lieber nicht dazu gezwungen werden.

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