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Winterblues: Es gibt ihn tatsächlich, aber anders als Du denkst

Kaum wird es draußen früher dunkel, haben viele Menschen den Eindruck, dass ihre Energie nachlässt. Sie sind müder, antriebsloser, irgendwie weniger sie selbst. Das trübe Wetter spiegelt sich bei vielen Menschen direkt in der Stimmung wider – willkommen im sogenannten Winterblues. Was steckt dahinter – und wie können wir damit umgehen?

Foto von Schneemann im Regen symbolisch für Winterblues

Winterblues – was steckt dahinter, wie viel ist dran?

Mit dem Begriff „Winterblues“ ist eine leichte, saisonale Verstimmung gemeint, die einige Menschen in den Wintermonaten spüren. Laut einer Studie In den USA bemerken beispielsweise 14 % der Bevölkerung im Winter eine Veränderung ihrer Stimmung [1].

Aber wie stark ist der Einfluss des Winters auf unsere Psyche tatsächlich? – Wahrscheinlich geringer, als viele glauben: Peter C. Magnusson untersuchte Menschen, die in Norwegen nördlich des Polarkreises leben, wo es im Winter monatelang kaum Tageslicht gibt [2]. Überraschenderweise erlebten die meisten Menschen dort keinen signifikanten Stimmungsabfall. Vielleicht, weil sie sich auf die Jahreszeiten einlassen und ihr Leben daran anpassen? Studien deuten darauf hin, dass der Winterblues eher ein Mythos ist [3], aber Mythen haben nun mal auch Ihre Wirkung – besonders, wenn wir ihnen viel Aufmerksamkeit schenken…

Winterblues – vielleicht denkst Du einfach zu viel darüber nach

Tatsächlich sind Veränderungen von Schlaf und Aktivität normal. Durch mehr Ruhe und weniger Tatendrang passt sich unser Körper an die dunkle Jahreszeit an. Hinzu kommt, dass der Alltag in den Herbst- und Wintermonaten an vielen Stellen unbequemer und ermüdender sein kann:  von der Kleidung, über Erkältungen, glatte Straßen und Wege, bis hin zu ständig kalten Füßen oder einem zu kühl oder zu warm empfundenen Büro. Das kann durchaus nerven.

Was uns aber stärker und gänzlich unnötig zu schaffen macht, ist die Art, wie wir mit diesen Unbequemlichkeiten oder Veränderungen umgehen. Wenn wir anhaltend darüber grübeln, warum wir gerade müde oder antriebslos sind, dann verstärken wir das Gefühl von Winterblues nur noch mehr. Auch wenn wir uns über ungestreute Gehwege, unzuverlässige Wettervorhersagen oder unsere unpassende Kleiderauswahl aufregen, führt dieses kreisende Denken dazu, dass die vielleicht ohnehin schon angeschlagene Stimmung zusätzlich noch schlechter wird.

Aufreiben an Dingen, die wir gerade nicht ändern können, bringt nichts. Die psychologische Forschung empfiehlt, solche Gedankenspiralen sich selbst zu überlassen und die Aufmerksamkeit bewusst auf andere Dinge zu lenken und sich kleinen, konkreten Handlungen zuzuwenden.

Dein Mindset zählt

Wusstest Du, dass Deine Einstellung zum Winter Deine Stimmung beeinflussen kann? Die Psychologin Kari Leibowitz nennt das „Wintertime Mindset“ [4]. Denkst Du beispielsweise beim Begriff „Winter“ zuerst an graue Tage, Kälte und Einschränkungen – oder eher an gemütliche Stunden auf dem Sofa, Spieleabende und Kerzenlicht? Wer mit Winter Positives verbindet, berichtet seltener über Winterblues. Das heißt aber nicht, dass Du in „positive Thinking“ verfallen sollst! Entscheidend ist dabei weniger, alles toll zu finden und immer „gut drauf“ zu sein, sondern vielmehr eine trübe Stimmung wahrzunehmen, Gedankenkreisen sein zu lassen, und den Blick bewusst auf das zu richten, was Dir guttut oder was gerade erledigt werden muss. Was dabei hilft: Losgelöste Achtsamkeit – der distanzierte Blick auf das eigene Denken! Denn womit Du Dich gedanklich beschäftigst ist tatsächlich eine Entscheidung, die Du treffen kannst. Jede Minute, die Du unangenehmen Umständen widmest, auf die Du keinen Einfluss hast, verstärkt die schlechte Laune und raubt Dir Zeit, die Dir am Ende des Tages für sinnvolle, nützliche und oder einfach nur schöne Momente fehlt. Frei nach Karl Valentin „Ich freu mich auf den  Winter, denn wenn ich mich nicht freue, kommt der Winter trotzdem.“

Und wenn Du denkst, dass Du Deine eigene Haltung zum Winter (und zu Deinen Gedanken) nicht ändern kannst, ist es Zeit Deine eigenen Überzeugungen über Dein Denken auf den Prüfstand zu stellen. Und hier kommt Metakognition ins Spiel.

Nicht jammern sondern lenken: mentale Tricks gegen Winterblues

Du musst den Winter nicht unbedingt lieben – aber Du kannst lernen, ihn anders zu erleben:

  1. Akzeptanz und Distanz: Akzeptiere das Wetter, die Dunkelheit ebenso wie Deine Stimmung, Müdigkeit, und dass Du weniger Lust auf Aktivität hat – das gehört zur dunklen Jahreszeit dazu. Wenn düstere oder genervte Gedanken auftauchen, nimm sie war. Du kannst Dich fragen: „Was meldet sich da gerade – und tun es mir gut, wenn ich länger darüber nachdenke?“ Das beobachtende, distanzierte Wahrnehmen ohne Bewertung unterbricht negative Gedankenkreisläufe
  2. Aufmerksamkeitslenkung: Lenke Deine Aufmerksamkeit aktiv um. Statt Dich über das Wetter zu ärgern, konzentriere Dich auf Dinge, die gerade zu erledigen sind oder die Dir Freude machen: Tee, Kerzenlicht, Musik, ein gutes Buch.
  3. Handle trotz Antriebslosigkeit: Kleine Schritte wie ein Spaziergang oder ein Gespräch mit Freund:innen können die Stimmung heben. Handlung beeinflusst Emotion, nicht nur umgekehrt. So zeigt eine aktuelle Studie, dass nur 30 Minuten leichte körperliche Betätigung die Stimmung am folgenden Tag verbessern kann [5].

Fazit: So lernst Du zum Winterblues zu tanzen

Der Winter kommt sowieso – es sei denn Du wanderst aus. Die dunkle Jahreszeit ist nicht Dein Feind. Sie ist anders – manchmal anstrengender, komplizierter, lästiger. Manche Menschen erleben den sogenannten Winterblues – aber er ist nicht unkontrollierbar! Vieles, was wir vom Winterblues lesen und hören, ist eher Mythos als Fakt. Wenn wir den Winter mit seinen Eigenarten annehmen anstatt uns dagegen zu sträuben, kommen wir gelassener durch die dunkle Jahreszeit. Mit einem bewussten Umgang mit Deinen Gedanken und Deinem Denken sowie kleinen, konkreten Handlungen gibst Du dem Winterblues weniger Raum – und vielleicht entdeckst Du sogar schöne Seiten am Winter, die Du vorher übersehen hast. Diese „metakognitiven Zaubertricks“ helfen Dir übrigens in allen Jahreszeiten, um mit Widrigkeiten im Leben besser umzugehen.

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[1] Targum, S. D., & Rosenthal, N. (2008). Seasonal affective disorder. Psychiatry (Edgmont), 5(5), 31.

[2] Magnusson, A. (2000), An overview of epidemiological studies on seasonal affective disorder. Acta Psychiatrica Scandinavica, 101: 176-184. https://doi.org/10.1034/j.1600-0447.2000.101003176.x

[3] Johnsen, M. T., Wynn, R., & Bratlid, T. (2012). Is there a negative impact of winter on mental distress and sleeping problems in the subarctic: The Tromsø Study. BMC Psychiatry, 12, 225. https://doi.org/10.1186/1471-244X-12-225 

[4] Leibowitz, K., & Vittersø, J. (2020). Winter is coming: Wintertime mindset and wellbeing in Norway. International Journal of Wellbeing, 10(4), 35-54. https://doi.org/10.5502/ijw.v10i4.935 

[5] Le, F., Yap, Y., Dumuid, D., Liao, Y., & Wiley, J. F. (2025). Daily, prospective associations of sleep, physical activity, and sedentary behaviour with affect: A Bayesian multilevel compositional data analysis. Psychology of sport and exercise, 82, 102997. Advance online publication. https://doi.org/10.1016/j.psychsport.2025.102997

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