Büro Quiet Quittung

Quiet Quitting: Die stille Kündigung

Alles für die Karriere – das war mal. Quiet Quitting ist heute in aller Munde. Was steckt hinter diesem Begriff, was bedeutet er für die Arbeitswelt, wo ist der Unterschied zur Inneren Kündigung – und können Arbeitgeber etwas tun, damit ihre Mitarbeitenden motiviert bleiben, statt sich in Gedanken zu verabschieden?

Es begann mit einem TikTok-Video. Darin erzählte ein 24-jähriger New Yorker, er sei nicht länger bereit, im Job alles zu geben. Quiet Quitting nannte er das: Zwar würde er weiterhin seine Pflichten erfüllen, aber Überstunden, Übereifer, Über-Engagement, davon würde er von nun an Abstand nehmen. Ganz nach oben, um den Preis der eigenen Freizeit, Gesundheit, Lebensqualität – dieser Hustle-Mentalität möchte er nicht mehr folgen.  

Das Video ging weltweit viral und traf gerade bei den jüngeren Generationen einen Nerv. Wochenlang wurde lautstark debattiert: Darf man das? Soll man das? Ist es Faulheit? Oder notwendige Abgrenzung? Seitdem ist „Quiet Quitting“ ein Phänomen, das auch in der Arbeitspsychologie diskutiert wird. Was heißt das für die Arbeitswelt, für die Arbeitnehmenden und für die Arbeitgeber? Revolutioniert Quiet Quitting den Arbeitsmarkt oder ist es nur ein Buzzword, welches wir morgen wieder vergessen werden?

Quiet Quitting: Was heißt das genau? ​

Zunächst mal das offensichtliche Problem: Quiet Quitting ist kein wissenschaftlicher, klar definierter Begriff. Umschrieben wird es oft als Dienst nach Vorschrift – nichts tun, was über die eigentliche Jobbeschreibung hinausgeht. Doch auch das kann ganz verschieden aussehen. Das eine ist, wenn Menschen demotiviert zur Arbeit erscheinen und nur noch das Allernötigste tun, um nicht gefeuert zu werden. Ganz anders sieht es aus, wenn jemand eine sehr gute Leistung erbringt und den eigenen Job mag, aber keine Überstunden leistet, keine Mails nach Feierabend beantwortet und für jedes Mehr an Arbeit und Verantwortung auch entlohnt werden möchte – also eine professionelle Haltung pflegt. Arbeitsverweigerung oder das Setzen von gesunden Grenzen: Zwischen zwei Quiet Quitters können also Welten liegen.

Quiet Quitting oder „Innere Kündigung“?

Ein ähnlicher, seit Jahren kursierender Begriff ist die „Innere Kündigung“: Wenn Menschen derart resignieren, dass sie keine Zukunft in ihrem Job sehen und mental auf der Suche nach etwas Neuem sind. Manche Psycholog:innen warnen davor, diese zwei Begriffe durcheinanderzubringen: Wer innerlich kündigt, ist oft demotiviert, echte Leistung ist nicht zu erwarten. Quiet Quitters können theoretisch durchaus etwas leisten, nur wollen sie nicht mehr alles ihrem Job unterordnen. Mit anderen Worten: Sie sind keine Workaholics. Jedoch ist diese Grenze natürlich fließend.

Quiet Quitting: Die Arbeitswelt im Wandel?

Laut Gallup sind 50 Prozent der US-amerikanischen Arbeitswelt Quiet Quitters. Was das jedoch genau heißt, ist nicht ganz klar. Sind es Menschen, die keine Überstunden mehr machen und nach Feierabend nicht mehr ans Handy gehen? Menschen, die ihre Hobbys, Freizeit, Familie priorisieren? Oder jene, die ihren Job nicht mehr ernst nehmen und bereits auf der Suche nach einem neuen Job sind, weil der aktuelle zu starke Anforderungen an sie stellt?  

Dass die Arbeitswelt sich im Wandel befindet, ist allerdings offensichtlich. Die Forderungen nach gesunden Arbeitsbedingungen werden immer lauter, auch in puncto Employer Branding können Unternehmen nicht mehr mithalten, wenn sie keine gesundheitsfördernden Benefits anbieten. Work-Life-Balance, Homeoffice, flexible Arbeitszeiten – all das gewinnt vor allem seit Corona an Bedeutung. Und immer öfter wird auch über Wertschätzung und Respekt im Job gesprochen.  

Hat Quiet Quitting mit Faulheit zu tun? ​

Nicht erst seit den Debatten um „Quiet Quitting“ wird den jüngeren Generationen vorgeworfen, faul zu sein und keine Lust auf Leistung haben. Die Baby-Boomers hätten alles gegeben, auch wenn ihre Familien und Freizeit oft zurückstecken mussten. Doch müssen Kritiker:innen bedenken, dass die Generationen nach ihnen unter ganz anderen Bedingungen aufgewachsen sind: zum Beispiel unter Dauerbeschallung, die das Leben insgesamt deutlich anstrengender macht. Millenial Burnout ist inzwischen ein gängiger Begriff für die Lebenswelt der Unter-40-Jährigen. Die Jobs heute sind zudem meist von Media-Multitasking, Schnelllebigkeit und steigender Arbeitsdichte geprägt, was natürlich für alle Generationen gilt.  

Zweitens, hat gerade die sogenannte „Generation Praktikum“ spätestens mit der Finanzkrise 2008 erlebt, dass sich im Job aufzureiben nicht unbedingt zum Erfolg führt. Viele aus der sogenannten „Generation Praktikum“ haben die Erfahrung gemacht, alles für den Job zu geben – und am Ende doch nicht annähernd so gut dazustehen wie ihre Eltern. Krieg, Klimakrise, Energiekrise und die erwarteten Herausforderungen machen der Generation nicht unbedingt Lust, ihr ganzes Leben dem Job unterzuordnen.  

Drittens, können es sich die jüngeren Generationen gerade leisten, Forderungen zu stellen, zumindest, wenn man sich die Arbeitsmarktzahlen anschaut. In Zeiten von nahezu Vollbeschäftigung und gleichzeitigem Fachkräftemangel ist das nur logisch, dass sie ein Entgegenkommen seitens der Arbeitgeber erwarten. Remote Working, flexible Arbeitszeiten, Teilzeit-Modelle – all das sind inzwischen Standard-Forderungen. Wer das nicht anbietet, wird es schwerer haben, neue Arbeitskräfte zu locken.

Was tun gegen Quiet Quitting?

Wie können wir dafür sorgen, dass aus Quiet Quitting nicht die Innere Kündigung wird? Gerade im Homeoffice besteht die Gefahr, dass die Arbeitgeber gar nicht erst mitbekommen, wenn ihre Mitarbeitenden unzufrieden sind. Dienst nach Vorschrift und fehlendes Engagement im Job – wollen die Arbeitgeber das vermeiden, müssen sie natürlich gewisse Anreize bieten. Mehr Flexibilität, wie oben erwähnt, gehört inzwischen zum Standard. Wichtig sind zudem Benefits, die gesundes Arbeiten in den Fokus rücken. Dazu gehören zum Beispiel:  

Gesunde Führung

Ob Mitarbeitende motiviert oder kurz vor innerer Kündigung sind, hängt maßgeblich von direkten Vorgesetzten ab. Schulungen für Führungskräfte gewinnen an Bedeutung: Mehr dazu. 

Gesunde Fehlerkultur 

Wer Leistung erwartet, darf nicht jeden Fehler bestrafen. Um leistungsstark, kreativ und innovativ zu arbeiten, braucht es psychologische Sicherheit. So stellst Du sie her.  

Prävention  

Mit gezielten Präventionsmaßnahmen können die Unternehmen nicht nur den Krankenstand senken, sie erhöhen auch die Mitarbeitermotivation, können langfristig die Fluktuation senken – und so Kosten sparen. Hier erfährst Du mehr zum Thema.  

 

Fazit: Was hinter dem Begriff „Quiet Quitting“ steckt, sind zum Teil bereits bekannte Forderungen nach einer humaneren Arbeitswelt, für die Gesundheit und Freizeit nicht zurückstecken müssen. In Zeiten des Fachkräftemangels sollten die Arbeitgeber darauf achten, für notwendige Bedingungen zu sorgen, damit sie im Wettbewerb um leistungsstarke und motivierte Mitarbeitende nicht zurückbleiben.  

Harter, B. J. (2022). Is Quiet Quitting Real? Gallup.com. https://www.gallup.com/workplace/398306/quiet-quitting-real.aspx 

Herway, B. J. (2022). Need an Answer to Quiet Quitting? Start With Your Culture. Gallup.com. https://www.gallup.com/workplace/403598/need-answer-quiet-quitting-start-culture.aspx 

Petersen, A. H. (2019). How Millennials Became The Burnout Generation. BuzzFeed News. https://www.buzzfeednews.com/article/annehelenpetersen/millennials-burnout-generation-debt-work 

Rosalsky, G. & Selyukh, A. (2022). The economics behind „quiet quitting“ — and what we should call it instead. NPR.org. https://www.npr.org/sections/money/2022/09/13/1122059402/the-economics-behind-quiet-quitting-and-what-we-should-call-it-instead  

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