Frank Steinhoff: Carlhans, wir kennen uns seit der Schulzeit und es freut mich sehr, dass Du Dir die Zeit für einen Gedankenaustausch nimmst. Du kennst addisca schon seit den ersten Anfängen und hast im letzten Jahr an unserem Führungskräfteprogramm „Leadership Essentials“ teilgenommen. Mich interessiert natürlich: Mit Deiner Berufs- und Lebenserfahrung, gab es für Dich neue Erkenntnisse? Und vielleicht auch Impulse im Hinblick auf Deine mentale Fitness?
Carlhans Uhle: Sehr gerne. Euer Programm adressiert zentrale Aspekte von Führung und setzt gute Schwerpunkte. Im Laufe der Jahre sind mir viele Themen natürlich bekannt. Neu war für mich der Bezug zu Denkmustern, den eigenen und denen der Mitarbeiter, und zu individuellen Denkfehlern. Rückblickend muss ich sagen: Ich habe mir sowohl beruflich als auch privat einiges zu sehr zu Herzen genommen. Unter Stress und Zeitmangel, mit Tunnelblick, Unlust, Ungeduld und mangelnder Distanz habe ich Entscheidungen getroffen und Verhaltensmuster gezeigt, die sicherlich einer zügigen und pragmatischen Lösung eher im Weg standen.
Frank Steinhoff: Die Wechselwirkung zwischen Gedanken, Gefühlen, Denken und Handeln wird oft unterschätzt. Hat sich bei Dir durch die Auseinandersetzung mit diesem Thema etwas verändert?
Carlhans Uhle: Ich wünschte, ich hätte das, was ihr vermittelt, schon zu Beginn meiner Laufbahn gewusst. Dann hätte ich die eine oder andere „Ausfahrt“ aus dem gedanklichen Kreisverkehr früher gefunden. Tatsächlich habe ich durch das Programm eine zusätzliche Perspektive gewonnen. Ich erkenne Denkmuster früher, kann sie einordnen und immer öfter auch bewusst unterbrechen. Auch wenn das in schwierigen Situationen weiterhin eine Herausforderung ist.
Catrin Bartel: Der Alltagstransfer ist tatsächlich eine der größten Herausforderungen. In unseren Trainings arbeiten wir deshalb gezielt mit Übungen, die das Bewusstsein für Denkprozesse schärfen. Es reicht nicht, die Zusammenhänge nur zu verstehen – man muss entlastende Fertigkeiten im Alltag auch anwenden können. Und gerade unter Stress und Zeitdruck ist das schwer.
Carlhans Uhle: Ich kenne das: Wenn ich mich lange und intensiv mit Problemlösungen beschäftige, weil ich das Gefühl habe, „etwas tun zu müssen“, dann raubt es Energie. Ich denke und denke, aber ich komme zu keinem Ergebnis. Ihr habt mir klar gemacht, dass es nicht darum geht, „mehr“ zu denken – sondern klüger, effektiver oder auch bewusst zu pausieren. Manchmal ist es hilfreicher, einfach innezuhalten, sich zu distanzieren und sich einem anderen Thema zuzuwenden.
Frank Steinhoff: Das ist ein wichtiger Punkt: Der Unterschied zwischen Gedanken und Denken. Viele setzen beides gleich. Der Gedanke „hier ist ein Problem“ sollte nicht automatisch in einen Denkprozess münden, im Sinne von „Ich sollte darüber nachdenken, um das Problem zu lösen“. In Wirklichkeit geht es darum, schnell zu erkennen, wann das „mehr Nachdenken“ keine „bessere Lösung“ bringt. Dazu ist Distanz eine Schlüsselfertigkeit. Denn: Wer das Problem und die eigenen Gedanken dazu aus der Beobachterperspektive betrachten kann, kann sich der Situation schneller anpassen.
Carlhans Uhle: Auch wenn ich das intuitiv oft richtig mache, war mir dieser mentale „Switch“ in dieser Klarheit nicht so bewusst. Auch die Möglichkeit, bewusst innezuhalten und Abstand zu nehmen. Bei anderen erkennt man es ja oft leichter als bei sich selbst, wenn sie sich in etwas verrannt haben. Ich werde mir meiner eigenen gedanklichen Automatismen jetzt schneller bewusst. Sozusagen der kluge Blick auf die eigenen Gedanken.
Frank Steinhoff: Du hast es auf den Punkt gebracht. Für uns liegt der Schlüssel zu mentaler Fitness und Flexibilität in der Fähigkeit, nicht jedem Gedanken zu folgen, auch wenn er sich aufdrängt und sich sozusagen „wichtig macht“. Mentale Fitness bedeutet für uns auch, neue Denkgewohnheiten im Alltag zu etablieren – und das ist manchmal schwieriger ist, als es klingt.
Im zweiten Teil unseres Gesprächs geht es darum, wie das Etablieren neuer Denkgewohnheiten im (Führungs-)Alltag besser gelingt.
Metakognition verstehen – in 5 Mails
In den nächsten 5 Wochen erhältst Du eine E-Mail pro Woche und lernst wichtige Basics über Deine Denkprozesse und welche Rolle Metakognitionen dabei spielen.



