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Der metakognitive Jahresrückblick: Gelassen bleiben, wenn’s schief geht

Wie wir mit Fehlern, Pannen und unerwarteten Wendungen umgehen, verrät einiges über unsere mentale Flexibilität. Im zweiten Teil unseres metakognitiven Jahresrückblicks geht es um Situationen, in denen Ärger, Selbstkritik oder Frust leicht das Steuer übernehmen – und darum, wie Akzeptanz helfen kann, mental flexibel und gelassen zu bleiben.

Foto mit gestapelten Holzblöcken auf denen steht "year end closing" symbolisch für den Titel "Der metakognitive Jahresrückblick: Gelassenbleiben, wenn's schief läuft

Wie wir mit Pleiten, Pech und Pannen umgehen, verrät viel über unsere mentale Flexibilität. Gehörst Du eher zu der Fraktion „Sich ärgern” oder spielst Du schon im Team „gelassen bleiben“, wenn Dir im Alltag etwas in die Quere kommt. 
In diesem Teil unseres addisca Jahresrückblicks geht es um Situationen, in denen Ärger, Selbstkritik oder Frust das Steuer übernehmen können – und darum, wie Akzeptanz helfen kann, mental flexibel zu bleiben.

Nutzlose Denkmuster: Kleine Missgeschicke – großer Ärger

Foto Martin Hauptmeier

Martin: Jacke vergessen

Auf dem Weg zur Geburtstagsfeier fiel mir ein, dass ich die Jacke meines Sohnes vergessen hatte. Ich ärgerte mich die ganze Fahrt über – völlig umsonst, wie sich herausstellte: Eine andere Mutter hatte zufällig eine Ersatzjacke dabei. Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, früher zu merken, dass mein Ärger nichts ändert – außer an meiner Stimmung. Aber auch als zertifizierter MCT-Trainer tappe ich manchmal einfach gerne in die „Ärger- Falle“.

Foto Lilly Thobaben

Lilly: Schlüssel vergessen

Ich wünschte, ich hätte mein bisheriges Wissen über Denkmuster genutzt, als ich feststellte, dass ich den Schlüssel in der Wohnung gelassen hatte. Ich habe mich total gestresst und mich in Selbstvorwürfen verloren. Leider habe ich mich in diesem Moment von meiner Frustration überwältigen lassen. Klar, die Situation war alles andere als schön, aber ich hätte mir rückblickend gewünscht mich schneller auf die Lösung des Problems konzentrieren zu können.

Foto Lennart Edelkamp

Lennart: Urlaubspause statt Surf-Spaß

Im Sommer war ich im Surfurlaub in Frankreich und habe es geschafft, mir gleich am ersten Tag den Fuß so blöd umzuknicken, dass ich nicht mehr auftreten konnte. Ich habe dann entschieden, erstmal abzuwarten und nicht direkt ins Krankenhaus zu fahren. In den nächsten Stunden und Tagen habe ich mir jedoch ständig Sorgen gemacht, dass ich jetzt den ganzen Urlaub nicht surfen kann. Ich habe mich richtig über mich selbst geärgert und immer wieder gedacht: „Warum passiert das ausgerechnet am ersten Tag? Wie kann man nur so blöd sein? Jetzt ist der ganze Urlaub im Eimer.“ Ich habe mich ziemlich stark auf diese Gedanken eingelassen, und das hat mir total die Stimmung vermiest. Dabei war ich eigentlich an einem schönen Ort mit meinen Freunden und hätte die Zeit trotzdem genießen können. Am Ende war alles halb so schlimm: Nach zwei Tagen konnte ich schon wieder auf´s Brett. Rückblickend wurde mir klar, dass ich ohne meine Selbstvorwürfe und Sorgen die zwei Tage mit der Verletzung auch noch hätte genießen können.

Fazit:

Missgeschicke und Fehler passieren. Mangelnde Aufmerksamkeit und schwupps passieren uns kleinere und größere Patzer. Obwohl wir wissen, dass wir an Geschehenem nichts verändern können, bleiben wir gerne mit unserer Aufmerksamkeit kleben und kosten das Ganze nochmal richtig aus. Glauben wir vielleicht, dass wir uns selbst erstmal ausschimpfen müssen, damit uns sowas nicht nochmal passiert? 

Shit happens – mit innerer Flexibilität durch die kleinen und großen Katastrophen

Foto Catrin Bartel mit Hund Lotta

Catrin: Verzögerte Heimfahrt – innere Ruhe behalten

Nach einem Tag im Büro dauerte meine Heimfahrt statt einer Stunde über zweieinhalb – Streckensperrung, Umstieg, Chaos. Währenddessen war Lotta, unser Hund den ganzen Tag allein zu Hause, mein Mann war beruflich unterwegs und ich wollte pünktlich zurück sein. Natürlich kamen Gedanken wie: „Arme Lotta, sie ist schon so lange allein“ oder „Warum passiert das ausgerechnet heute?“ – aber ich bin nicht drauf eingestiegen. Statt mich aufzuregen, tat ich, was möglich war: Infos holen, Alternativen fürs Nach-Hause-Kommen suchen, Tochter anrufen, damit sie mit Lotta rausgeht, Folgetermine absagen... Kein Drama – nur ein langer Heimweg.

Foto Frank Steinhoff

Frank: Ärger – ohne Rachefantasien

Ständig ärgere ich mich über den lauten Mieter über mir. In meinem Kopf tauchen sofort Kommentare auf wie „rücksichtslos“ – und nicht selten folgen kreative „Rachefantasien“. Doch inzwischen habe ich akzeptiert: Wahrscheinlich wird er noch weniger Rücksicht nehmen, wenn er mich auch noch unangenehm findet. Anstelle ihm jedes Mal „meine Meinung zu sagen“ und mir Rachefantasien auszumalen, hatten wir eine Aussprache. Ich habe ihm sachlich und freundlich meine Situation als Mieter unter ihm in einem hellhörigen Haus erklärt . Aktuell habe ich das Gefühl, dass es besser wird. Vor allem aber ärgere ich mich deutlich weniger.

Foto Oxana Ponomareva

Oxana: Streik, Stillstand – und ein Perspektivwechsel

Ich erinnere mich an einen Wintermorgen. Fünf Uhr, klirrende Kälte, der Bus steckte zwischen zwei Bauernhöfen fest und kam durch die Bauernstreiks nicht vorwärts. Also musste ich die fünf Kilometer nach Hause zurücklaufen. Dunkelheit, Frost, Atemwolken. Früher hätte ich mich sinnlos aufgeregt über die Situation und hätte mir damit den ganzen Tag vermiest. Doch während ich zurücklief, fragte ich mich: Bringt es etwas, sich jetzt aufzuregen? Kann ich etwas an der Situation ändern? Beide Antworten: nein. Und in dieser Erkenntnis lag plötzlich die Ruhe. Ich rief eine Kollegin an, entschied mich für Homeoffice und so wurde aus einem chaotischen Morgen ein ruhiger Start in den Tag.

Foto Lennart Edelkamp

Lennart: Panne in der Baustelle – ruhig bleiben statt ausrasten

Mitten in einer einspurigen Baustelle ging plötzlich der Motor unseres gerade selbstausgebauten Campers aus. Wir mussten anhalten, den Wagen zur Seite schieben und auf den ADAC warten. Schon während des Anhaltens sind mir sofort Gedanken durch den Kopf gegangen wie: „Jetzt sind bestimmt alle sauer auf uns, weil wir die Straße blockieren. Der Motor hat einen Totalschaden – das wird bestimmt teuer. Alles umsonst.“ Ich merkte schnell, dass meine Sorgen in der Pannensituation nicht weiterhalfen. Statt mich hineinzusteigern, konzentrierte ich mich auf das, was möglich war – und half mit, den Verkehr sicher an unserem Camper vorbeizuleiten.

E-Mail

Metakognition verstehen – in 5 Mails

In den nächsten 5 Wochen erhältst Du eine E-Mail pro Woche und lernst wichtige Basics über Deine Denkprozesse und welche Rolle Metakognitionen dabei spielen. 

Manchmal haben wir überhaupt keine Aktien in einer Situation. Und doch haben wir immer eine Wahl, wie wir mit einem Problem umgehen wollen. Fehlt uns das metakognitive Bewusstsein, versperren wir uns häufig den besseren Weg und geraten stattdessen ins Grübeln, ins Sich-Ärgern oder in alte Selbstvorwürfe. Ungünstige Denkmuster blockieren uns dann, anstatt die neuen Gegebenheiten anzunehmen und unsere Aufmerksamkeit darauf zu richten, was unter den aktuellen Umständen möglich ist. Mentale Flexibilität kann nur dann entstehen, wenn wir lernen, auch in schwierigen Momenten fair mit uns umzugehen und „ciao“ zu unseren ungünstigen Denkmustern zu sagen.

Im dritten Teil unseres metakognitiven Jahresrückblicks geht es um den Umgang mit Emotionen und wie wir uns auf zukünftige Ereignisse vorbereiten können. Und falls Du mitten rein gesprungen bist in unsere Serie zum metakognitiven Jahresrückblick und Lust auf weitere Situationen hast, dann schau im ersten Teil „Jahresrückblick mal anders: Metakognitiv reflektieren, statt nur Bilanz zu ziehen“ vorbei.

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