Das Jahr 2025 neigt sich langsam dem Ende zu, 2026 steht vor der Tür. Wie Søren Kierkegaard einst sagte: „Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Leben muss man es aber vorwärts.“ Kein Wunder also, dass viele Menschen, Teams und Unternehmen sich bewusst Zeit für einen Jahresrückblick nehmen. Vergangene Höhen und Tiefen werden reflektiert – in der Hoffnung, daraus wertvolle Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen.
Die Methoden und Tools zur Reflexion sind vielfältig: Vom offenen Austausch im Team über persönliches Journaling mit strukturierten Fragen, bis hin zu visuellen Ansätzen wie Collagen, Mindmaps oder Zeitstrahlen.
Wir im addisca Team haben uns in diesem Jahr entschieden, den Blick hinter die persönlichen Kulissen zu werfen – nämlich auf unsere metakognitiven Schlüsselfertigkeiten. Wir wollten nicht nur bilanzieren, was wir alles geschafft oder auch nicht geschafft haben, sondern wie unser Verstand und unser Fokus uns dabei unterstützt – oder auch behindert hat. Dafür haben wir uns diese zwei Fragen gestellt:
- In welchen Situationen habe ich es geschafft, Situationen mit Gelassenheit und etwas Distanz gut zu meistern?
- Wann habe ich spontan oder sogar mit viel Nachdenken eine Situation „vermurkst“ und mich im Nachhinein über mich selber geärgert? Welche Automatismen oder Überzeugungen haben mich dazu verleitet?
Die Antworten geben ganz persönliche Einblicke. Vielleicht dient die eine oder andere Situation dabei als Anregung und Inspiration wo und wie metakognitive Kompetenzen im Alltag eine Rolle spielen.

Alena: Arbeit und Multitasking
An manchen Tagen jongliere ich mit vielen Aufgaben gleichzeitig. Emails, Praxisanliegen, Haushalt und im Hintergrund ruft vielleicht noch mein Kind. Ich merke dann, wie mein Kopf anfängt, zwischen Aufgaben zu springen und ich das Gefühl habe, alles gleichzeitig machen zu müssen. In einem dieser Momente habe ich bewusst gestoppt und mir gesagt: „Ich entscheide jetzt, dass ich meine Aufmerksamkeit erstmal nur auf eine Sache lege.“ Ich habe den Laptop zugemacht, tief durchgeatmet und mich entschieden, erst eine Aufgabe wirklich zu Ende zu bringen. Das hat mir geholfen, wieder präsent zu sein, statt mich von Gedanken über das, was auch noch zu tun ist, treiben zu lassen. Es war ein gutes Gefühl zu merken, dass ich steuern kann, wo mein Fokus hingeht, auch mitten in einer chaotischen Situation.

Isabelle: Yoga & Ablenkung
Yoga ist eigentlich nicht mein Sport, doch ich habe letztens eine Freundin zu einem Kurs begleitet, weil sie es sich gewünscht hat. Ich kenne mich und weiß, dass es mir gerade zu Beginn einer Stunde schwerfällt, meinen Fokus auf den Atem zu lenken und ich mich von allem möglichen um mich herum ablenken lasse. Und wieder wie auf Abruf: Auch dieses Mal wanderte meine Aufmerksamkeit auf alle möglichen Ablenkungen, von den (lauten) Atemgeräuschen der anderen Teilnehmer:innen bis zur Kleidung der Lehrerin. Ich hätte mir gewünscht, mich mehr auf meinen eigenen Atem zu konzentrieren, gleichzeitig weiß ich, dass meine Aufmerksamkeit wandert zu Geräuschen im Außen und auch zu Gedanken im Inneren. Ich möchte üben, dies wahrzunehmen und mich nicht darüber zu ärgern, sondern immer wieder meine Aufmerksamkeit zurück zum Atem zu lenken.

Lilly: Prüfungsangst gemeistert
Ich habe letztes Jahr tatsächlich erfolgreich meine Prüfungsangst überwunden. Als ich mich auf eine wichtige Prüfung vorbereitete, bemerkte ich, dass meine Gedanken immer wieder abschweiften und ich mich in negativen Selbstgesprächen verlor. Zum Glück wurde mir das jetzt viel schneller bewusst und so konnte ich meine Aufmerksamkeit schnell zurück auf die Aufgabe lenken. Meine Angst war nicht weg, sie hat mich aber viel weniger abgelenkt und nicht mehr behindert. Teilweise traten noch Gedanken auf wie „Was, wenn ich durchfalle “ – aber die habe ich nicht weiter beachtet.

Denise: Gassirunde im Alarmmodus
Wenn ich mit meinem Hund in der Dämmerung spazieren gehe, schaltet mein Kopf oft in Alarmbereitschaft – jedes Knacken im Gebüsch wird zur potenziellen Gefahr. Meine Ohren sind gespitzt, mein Körper angespannt und mein Kopf zählt mir potenzielle Gefahren auf, die da im Dunkeln auf mich und meinen Hund lauern. Dabei würde ich doch eigentlich gerne ohne Gefahr im Nacken den Arbeitstag ausklingen lassen. Noch fällt es mir schwer, dieses Bedrohungsmonitoring abzuschalten – aber ich arbeite daran.

Alexandra: ärztliche Befunde und Körpersymptome
Im letzten Jahr musste ich aufgrund eines Fahrradunfalls ins MRT. Die Ärztin berichtete, dass alles gut sei – dass sie aber an einer Stelle noch etwas entdeckt hatten, was man eventuell nochmal nach 6 Monaten kontrollieren lassen könnte. Obwohl ich wusste, dass der Befund mit ziemlicher Sicherheit nur ein harmloser Zufallsbefund war und ich mich am besten ein halbes Jahr nicht damit beschäftigen sollte, begann mein Kopf Sorgen zu produzieren. Immer wieder stellte ich fest, wie meine Aufmerksamkeit auf meinen Kopf gerichtet war und wie ich jede kleinste Veränderung wahrnahm. Im Bereich Gesundheit, ärztliche Befunde und Körpersymptome gibt es für mich also noch Übungspotenzial.
Metakognition verstehen – in 5 Mails
In den nächsten 5 Wochen erhältst Du eine E-Mail pro Woche und lernst wichtige Basics über Deine Denkprozesse und welche Rolle Metakognitionen dabei spielen.
Es gibt zahlreiche Situationen, in denen unsere Aufmerksamkeit wie ein Post-it, an einer Wahrnehmung, einer Tatsache, einem Geräusch klebt, und dadurch den inneren Gedankenkreisel in Gang hält. Das bedeutet aber nicht, dass das so sein muss, denn zum Glück haben wir alle die Fertigkeit unsere Aufmerksamkeit flexibel zu lenken und damit aus unseren eigenen Gedankenwelten auszubrechen. Darum lohnt es sich, regelmäßig zu prüfen, worauf sich Deine Aufmerksamkeit im Alltag richtet und ob sie Dein Kopfkino befeuert – um sie dann bewusst auf das zu lenken, was Dir gerade mehr nützt.
Was passiert, wenn wir an unseren eigenen Ansprüchen scheitern oder kleine Missgeschicke unseren Tag aus der Bahn werfen? Darum geht es im zweiten Teil unserer Serie: „Der metakognitive Jahresrückblick: Gelassen bleiben, wenn’s schief geht“.
Und wer direkt weiterlesen möchte: Im dritten Teil zeigen wir Dir, wie metakognitive Fertigkeiten mit der emotionalen Selbstregulation zusammenhängen.




