Mentale Gesundheit im Team fördern – Jetzt Whitepaper lesen >>

addisca_Social Loafing

Teamarbeit hat ihre Tücken: Manche geben 100 %, andere fahren ihre Leistung herunter oder scheuen, Verantwortung zu übernehmen. Social Loafing ist ein bekanntes Phänomen in der Arbeitswelt. Warum das nichts mit Faulheit zu tun hat – und wie Teams besser motiviert werden können.

Social Loafing: Der Ringelmann-Effekt

Was ist Social Loafing?

Das Team verdoppeln – und mit zweimal so viel Leistung durchstarten? Von wegen! Wer schon mal bei einer Gruppenarbeit mitgemacht hat, weiß: Manche legen sich extra ins Zeug, während andere sich zurücklehnen. Social Loafing nennt sich das in der Fachsprache, auf Deutsch etwas unglücklich mit Soziales Faulenzen übersetzt.

Konkret heißt das:

Ist die Einzelleistung bei einer Gruppenarbeit nicht sichtbar oder messbar, reduziert sich die Motivation und damit die Leistung einzelner Mitglieder.

 

Wie Ringelmann das soziale Faulenzen entdeckte

Erkannt hat das der Franzose Maximilian Ringelmann Ende des 19. Jahrhunderts, indem er Menschen vor einen Karren spannte. Das gilt als erstes sozialpsychologisches Experiment überhaupt und war wie viele Entdeckungen purer Zufall. Ringelmann war nämlich Agraringenieur und wollte schlicht die Effizienz landwirtschaftlicher Arbeit messen.

Er ließ erst Pferde und Ochsen, und später Maschinen und Menschen, in unterschiedlich großen Gruppen zusammen am Seil ziehen, maß den Kraftaufwand und stellte fest: Mit zunehmender Gruppengröße lässt die Leistung Einzelner nach. Dieses Ergebnis ist auch als Ringelmann-Effekt bekannt.

 

Ist Social Loafing wirklich Faulenzen?

Ringelmann nahm an, dass Koordinationsschwierigkeiten und auch Motivationsverlust der Mitglieder die Gründe waren. Mit Faulheit hat der Effekt jedoch nichts zu tun. Heute vermutet die Forschung, dass unser Körper Energie einsparen möchte und die Gruppensituation als Anlass dafür nutzt – schließlich ist er evolutionär darauf ausgelegt, sparsam mit seinen Ressourcen umzugehen.

Später bestätigte sich der Effekt in einer Vielzahl von Experimenten, zum Beispiel beim Rudern, aber auch bei geistiger Arbeit – wenn nicht klar ist, wer wie viel zur gemeinsamen Anstrengung beiträgt. Carau und Williams lieferten mit dem Collective Effort Model eine entsprechende Erklärung. Wer das Gefühl hat, dass der eigene Beitrag nicht sichtbar ist oder nicht zählt, fährt seine Leistung herunter. Das geschieht oft unbewusst, weshalb Faulenzen womöglich nicht der beste Begriff ist.

 

Social Loafing bei der Arbeit

Dass sich die Kolleg:innen zwischendurch entspannen und nicht die volle Leistung erbringen, ist normal: Schließlich kann niemand jederzeit hundert Prozent geben. Auf Dauer kann Social Loafing jedoch zu weniger Leistung, mangelnder Motivation und auch schlechter Stimmung im Team führen. Wenn Mitarbeiter:innen das Gefühl haben, ihre Leistung sei unsichtbar, sind sie natürlich weniger motiviert.

Daher ist es besonders wichtig, den Beitrag jedes Einzelnen hervorzuheben. Ist die individuelle Leistung nur schwer sichtbar, was bei Teamwork der Fall sein kann, hilft es, den jeweiligen Beitrag zu erfragen. Und auch, auf mögliche Herausforderungen einzugehen, um ein besseres Gefühl für die Leistung zu erhalten.

 

Der Ringelmann-Effekt ist ansteckend

Ruhen sich Einzelne aus, kann die Stimmung schnell auf das gesamte Team überspringen. Wozu sich anstrengen, wenn es niemand sonst tut? Das kann sich zu einem Teufelskreis entwickeln. Denn Selbstwirksamkeit ist ein natürliches Bedürfnis – wer sich also zu lange als wenig nützlich empfindet, ist noch mehr demotiviert. Zum Glück gibt es Wege, Social Loafing zu vermeiden.

Wir haben einige Tipps für Dich zusammengestellt, um das “Faulenzen” zu reduzieren. Behalte im Kopf: Social Loafing ist keine bewusste Handlung. Empfindest Du das so, ist die Gefahr gegeben, dass Du in die Konfrontation mit den Kollegen gehst, resignierst oder Deine Leistung ebenfalls herunterschraubst. So kann ein Teufelskreis beginnen.

 

Social Loafing in Teams verhindern:

1. Teams verkleinern

In kleinen Gruppen arbeiten einzelne Mitglieder motivierter und die Aufgaben werden klarer verteilt. Kleinere Gruppen sind oft effizienter, da jede:r mehr Überblick behält und alle sich leichter auf Dinge einigen oder gemeinsame Termine finden können. Auch die Leistung einzelner Teammitglieder ist in der Regel sichtbarer.

2. Routinen vermeiden

Social Loafing tritt vor allem bei Routineaufgaben auf. Wer Gruppen komplexere und sinnvolle Aufgaben gibt, kann Social Loafing vermeiden und sogar zu mehr Leistung anspornen. Natürlich müssen Routineaufgaben manchmal dennoch erledigt werden. Für diesen Fall gibt es einen guten Tipp vom Buchautor Daniel Pink: Wer anderen langweilige Aufgaben aufbrummt, sollte das ehrlich zugeben, und auf keinen Fall so tun, als wären sie spannend. Dabei muss den Mitarbeiter:innen dennoch klar sein, warum die Aufgabe wichtig und sinnvoll ist — und sie sollten selbst entscheiden, wie sie die Aufgabe erfüllen wollen.

3. Stärken und Leistungen loben

Haben Einzelne das Gefühl, ihr Beitrag und ihre Stärken seien einzigartig und wertvoll für andere, bleibt soziales Faulenzen eher aus. Wenn die Mitarbeiter:innen sich individuell wertgeschätzt und gefördert fühlen, sind sie motivierter — das gilt auch für gerechte Bezahlung. Feedback-Gespräche können dabei helfen. Zudem können Teammitglieder messbare Ziele aufstellen — deren Erreichen auch mal gefeiert werden kann.

4. Kommunikation in Gruppen moderieren

Teams bestehen aus unterschiedlichen Charakteren. Häufig variieren die Sprechanteile der einzelnen Teilnehmer und damit auch die Chancen, etwas beizutragen. Diese Tendenzen haben sich in Online-Meetings zunehmend manifestiert. Helfen können aktiv moderierte Meetings, in denen jede:r drankommt. So wirkst Du dem Social Loafing entgegen.

5. Gruppenzusammenhalt stärken

Wenn die Teammitglieder sinnvolle Ziele haben, die sich nur gemeinsam lösen lassen, hilft das ebenfalls. Eine Verbundenheit im Team kann Social Loafing reduzieren. Das bedeutet auch, offen in Teams Konflikte anzusprechen und sie nicht unter den Tisch fallen zu lassen.

6. Keine unnötige Gruppenarbeit

Werden Aufgaben in ein Gruppensetting gepresst, wo die Ausarbeitung einer einzelnen Person geeigneter wäre, wird Social Loafing zwangsläufig begünstigt. Das heißt: Eine smarte Projektplanung kann entsprechend die Produktivität erhöhen.

Stangl, W. (2021), Stichwort: ‚Ringelmann-Effekt – Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik‘;
Ingham, A.G., Levinger, G., Graves, J. and Peckham, V. (1974);
Harkins, Stephen & Petty, Richard. (1982)

Weitere Themen, die Dir gefallen könnten:

Artikel aus dieser Kategorie:

Burnout
Krankschreibung wegen Stress

Die Anzahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen ist in den letzten Jahren gestiegen. So weit muss es aber nicht kommen – auch bei Stress kannst Du Dich bereits unter gewissen Umständen krankschreiben lassen.

zum Artikel »
Burnout
Entspannungsübungen bei Stress

Eine beliebte Methode, um Stress abzubauen: Entspannungsübungen. Für ihren Nutzen finden sich wissenschaftliche Hinweise, doch sie haben ihre Grenzen. Wofür Entspannungsübungen gut sind, wann sie nicht ausreichen – und was stattdessen helfen kann, gelassener zu werden.

zum Artikel »

<script type=“application/ld+json“> 

{ 

  „@context“: „https://schema.org“, 

  „@type“: „FAQPage“, 

  „mainEntity“: [{ 

    „@type“: „Question“, 

    „name“: „Was ist Social Loafing?“, 

    „acceptedAnswer“: { 

      „@type“: „Answer“, 

      „text“: „Das Team verdoppeln – und mit zweimal so viel Leistung durchstarten? Von wegen! Wer schon mal bei einer Gruppenarbeit mitgemacht hat, weiß: Manche legen sich extra ins Zeug, während andere sich zurücklehnen. Social Loafing nennt sich das in der Fachsprache, auf Deutsch etwas unglücklich mit Soziales Faulenzen übersetzt.   

  

Konkret heißt das:   

  

Ist die Einzelleistung bei einer Gruppenarbeit nicht sichtbar oder messbar, reduziert sich die Motivation und damit die Leistung einzelner Mitglieder.“ 

    } 

  },{ 

    „@type“: „Question“, 

    „name“: „Ist Social Loafing Faulenzen?“, 

    „acceptedAnswer“: { 

      „@type“: „Answer“, 

      „text“: „Ringelmann nahm an, dass Koordinationsschwierigkeiten und auch Motivationsverlust der Mitglieder die Gründe waren. Mit Faulheit hat der Effekt jedoch nichts zu tun. Heute vermutet die Forschung, dass unser Körper Energie einsparen möchte und die Gruppensituation als Anlass dafür nutzt – schließlich ist er evolutionär darauf ausgelegt, sparsam mit seinen Ressourcen umzugehen.   

  

Später bestätigte sich der Effekt in einer Vielzahl von Experimenten, zum Beispiel beim Rudern, aber auch bei geistiger Arbeit – wenn nicht klar ist, wer wie viel zur gemeinsamen Anstrengung beiträgt. Carau und Williams lieferten mit dem Collective Effort Model eine entsprechende Erklärung. Wer das Gefühl hat, dass der eigene Beitrag nicht sichtbar ist oder nicht zählt, fährt seine Leistung herunter. Das geschieht oft unbewusst, weshalb Faulenzen womöglich nicht der beste Begriff ist.“ 

    } 

  }] 

} 

</script>