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Kontrollillusion – Der Katastrophengarant

Puste ich auf den Würfel, werfe ich eine Sechs. Schon mal sich bei ähnlichen Gedanken erwischt? Unser Gehirn suggeriert uns ständig Zusammenhänge, die objektiv betrachtet keinen Sinn ergeben. Die Kontrollillusion besteht besonders häufig dann, wenn wir wenig Kontrolle haben.

Laufe ich der schwarzen Katze aus dem Weg, wird das ein guter Tag. Esse ich einen Monat lang vegan, gewinnt meine Lieblingsmannschaft. Und wenn ich morgen mein Glücksoutfit trage, bekomme ich den Job ganz sicher. Wenn wir glauben, etwas kontrollieren zu können, objektiv betrachtet aber überhaupt keine Macht über die Geschehnisse haben, erliegen wir der Kontrollillusion. Ob beim Ausfüllen eines Lotto-Scheins oder dem Spielerfolg der Lieblingsmannschaft – das Phänomen der Kontrollillusion findet sich in sämtlichen Lebensbereichen. Wir sehen eben sehr gern die Zusammenhänge zwischen unserem Verhalten und dem gewünschten Ergebnis, wo tatsächlich keine sind. Aber warum?  

Forschende wie die Harvard-Psychologin Ellen Langer vermuten, dass wir der Kontrollillusion verfallen, weil unser Gehirn stets versucht, die Geschehnisse um uns herum zu verstehen, und daher unentwegt nach Kausalitäten sucht. Deshalb interpretieren wir viele Situationen so, als wären sie vorbestimmt. Wir sehnen uns danach, die Dinge im Griff zu haben, Kontrolle vermittelt uns ein Gefühl von Sicherheit. Vor allem wenn wir unsicher sind, uns in Krisen- oder Stresssituationen befinden, hilft die Kontrollillusion womöglich, etwas besser mit der Situation umzugehen. Wie beim wiederholten Knopfdrücken an der Ampel – es erleichtert das Warten auf Grün, hat aber ansonsten (sorry!) keinen Effekt.

Wäre die Welt ohne die Kontrollillusion besser dran?

Wie bei den meisten Dingen gibt es auch bei der Kontrollillusion immer zwei Seiten der Medaille. Schlecht ist es, wenn wir Informationen nicht wahrnehmen, die konträr zu unseren Meinungen stehen und Entscheidungen auf Basis von einseitigen Informationen treffen. Oder wenn wir zu Selbstüberschätzung neigen und Kritik nicht ernstnehmen: Etwa bei Drogen- oder Spielsucht, Börsenspekulationen oder finanziellen Risiken. Dass die Kontrollillusion eine Rolle bei der Weltwirtschaftskrise gespielt hat, ist, nach allem, was wir wissen, mehr als plausibel.

Oft kann die Kontrollillusion aber auch hilfreich sein, da sie uns diszipliniert und motiviert. An der Ampel sind wir manchmal gelassener, weil wir den Knopf ja schon gedrückt haben. Und das Glücksoutfit macht unter Umständen selbstbewusster und hilft, einen besseren Eindruck beim Bewerbungsgespräch oder bei einem Date zu hinterlassen. Manchmal bringt uns die Kontrollillusion eben auch dazu, die Dinge stärker in die Hand zu nehmen, anstatt sie dem Schicksal zu überlassen, aktiver zu werden und auch mal etwas zu wagen. Solange wir dabei nicht allzu gefährliche Entscheidungen treffen, ist es durchaus positiv.

Die Kontrollillusion für sich nutzen

Rational denken, das fällt uns Menschen oft nicht leicht (ein Grund für diese Artikel-Serie). An sich ist auch nichts falsch daran, an Karma, Glück oder das wohlwollende Universum zu glauben, solange die Vernunft nicht vollends einschläft. Das Wissen um die Kontrollillusion kann in manchen Situationen gelassener machen und hilft vielleicht, sich zumindest nicht von Aberglauben abhängig zu machen.

Zudem können wir das Wissen um die Kontrollillusion in zwischenmenschlichen Beziehungen gut nutzen. Wenn wir verhandeln oder überzeugen wollen, hilft es, den Menschen das Gefühl zu vermitteln, ihre Meinung sei gefragt und sie können etwas beeinflussen. Das bringt sie eher dazu, zu kooperieren – natürlich sofern das nicht allzu plump geschieht.   

Ein metakognitiver Tipp zum Schluss: Konzentriere Dich auf die Dinge, die Du tatsächlich beeinflussen kannst – und überlass alles andere seinem Lauf. 

Stangl, W. (2022). Stichwort: ‚Kontrollillusion – Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.https://lexikon.stangl.eu/2221/kontrollillusion (2022-01-24)

Neurology First, Kontrollillusion. WWW: http://www.neurologyfirst.de/kontrollillusion/

Dobelli, R. (2020): Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen. 2. Auflage. München: Piper Verlag

https://psycnet.apa.org/record/1977-03333-001

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