BGM | Motivation

Mit Herzblut dabei: Mitarbeiter nachhaltig motivieren

Alle Unternehmen sind abhängig von der Leistung ihrer Belegschaft. Engagierte Mitarbeiter haben weniger Burnout, fallen weniger aus und arbeiten besser. Ein Team, das motiviert ist und alles gibt: Ein Traum jeder Führungskraft. Wie kann er wahr werden?

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Es steht nicht gut um die Motivation deutscher Angestellten. 5,7 Millionen von ihnen haben laut dem aktuellen Gallup Engagement Index  innerlich gekündigt. 68 Prozent der Beschäftigten haben eine geringe emotionale Bindung an den Arbeitgeber – weitere 15 % haben gar keine. Die überwiegende Mehrheit macht also höchstens Dienst nach Vorschrift. Und das kostet.

Solange die Arbeit ordentlich erledigt wird, ist alles gut – das war einmal. Die deutsche Unzufriedenheit mit der Arbeitswelt lässt sich inzwischen in Zahlen messen, und die sind bedenklich: Laut Gallup belaufen sich die volkswirtschaftlichen Kosten der inneren Kündigung allein bis zu 114 Milliarden Euro im Jahr – rund ein Viertel des derzeitigen Bundeshaushaltes. Das Deutsche Institut für Wirtschaft kommt auf ähnliche Zahlen.   

Warum Mitarbeiter kündigen

Befragte, die aus folgenden Gründen ihren Job kündigen würden

Dass motivierte Mitarbeiter besser arbeiten und mehr leisten, leuchtet ein. Wer glücklich und gesund ist, fehlt weniger. Was viele verkennen, ist das Ausmaß. Um ganze 81 Prozent sinken die Fehlzeiten, wenn die Menschen ihr Arbeitsumfeld als positiv wahrnehmen. Mehr noch, Mitarbeiterzufriedenheit wirkt sich direkt auf harte Zahlen wie Umsätze, Sales und Kundenbindung aus. Teams mit hoher emotionaler Bindung schneiden deutlich besser bei Kundenbewertungen ab. Wenn das Betriebsklima als positiv erlebt wird, gehen Sales um 18 Prozent hoch. Wer erfolgreich sein will, braucht also glückliche Mitarbeiter:innen. Nur: Wie macht man das? 

Empathie und gesunder Menschenverstand sind natürlich hilfreich, allgemeine Wertschätzung, ein faires Gehalt, unbefristete Festanstellungen und gute Arbeitsbedingungen – schon mal ein guter Start. Inzwischen gibt es jedoch auch belastbare Zahlen und Studien, die einiges mehr darüber verraten, wie Angestellte glücklich zu machen sind.

 

Bleib am Ball: Das Einmaleins der Mitarbeitermotivation

1. Die Führungsqualität hochschrauben

Menschen verlassen nicht ihre Jobs, sondern ihre Vorgesetzten, besagt ein amerikanischer Spruch und es ist etwas Wahres dran: Die Führungsqualität ist maßgeblich für das Betriebsklima verantwortlich. Führung ist alles andere als leicht – kein Wunder, dass Coachings für Führungskräfte immer beliebter werden. Gute Führung schafft eine entspannte Arbeitsatmosphäre, in der Lachen erlaubt ist, Ideen offen ausgesprochen werden dürfen und Fehler als Lernchancen und nicht als Vergehen gesehen werden. Solche Vorgesetzte machen klare Ansagen, binden ihre Mitarbeiter:innen ein und geben konstruktives und vor allem häufiges Feedback. Letzteres ist besonders wichtig, denn statistisch wünschen sich die meisten Angestellten mehr Feedback von ihren Vorgesetzten, selbst wenn es negativ ausfällt. Gute Vorgesetzte setzen zudem realistische Ziele, denn nichts ist schlimmer als Beliebigkeit. Die Zielsetzung sollte zumindest in der Regel aus allgemein nachvollziehbaren Gründen erfolgen – nur dann weiß die Belegschaft, dass sich Leistung am Ende tatsächlich lohnt.

2. Individuelle Stärken sehen – und fördern

Laut einer Studie von Johnny Langstedt suchen sich die Menschen ihre Arbeit vor allem nach ihren Werten aus: Kreativ Veranlagte möchten gestalten und neue Ideen entwickeln, wer Sicherheit braucht, zieht hingegen feste Strukturen vor. Introvertierte meiden Sales-Gespräche und kommunikative Menschen Excel-Tabellen. Es gibt wenig Schlimmeres, als tagtäglich Aufgaben erledigen zu müssen, die nicht der eigenen Persönlichkeit entsprechen. Wenn sich dabei auch noch Monotonie einschleicht, ist es nicht weit mit der inneren Kündigung. Wo individuelle Stärken gefördert werden, sinkt hingegen das Burnout-Risiko. Hier ist gute, empathische und womöglich unkonventionelle Personalarbeit gefragt: Persönlichkeitstests, ausführliche Mitarbeitergespräche, Programme wie Job Rotation, aber auch Weiterbildungen können Gutes bewirken. Letzteres ist vor allem bei den Unter-35-Jährigen ein riesiger Motivationsfaktor, laut einer Studie der Deutschen Universität für Weiterbildung. Mit mehr Know-How steigt die Produktivität und der Wert der Mitarbeiter:innen – und auch ihre Motivation. Was zudem nicht untergehen sollte: Diversität in allen ihren Facetten. Das gilt sowohl für unterschiedliche Ethnien, Geschlechter, Altersstufen, als auch für neurountypische Angestellte und Menschen mit körperlichen Behinderungen. Diversity-Programme sind nicht nur gut fürs Gewissen. Ganz praktisch erweitern sie auch den Pool der Kandidat:innen, sodass Positionen besser besetzt werden, und tragen auch zu einem Klima der Wertschätzung bei.

Was ist Ihre größte Motivation bei der Arbeit?

Mitarbeiter nachhaltig motivieren

3. Selbstbestimmung: Das Was vorgeben, nicht das Wie

Fünf-Tage-Woche, feste Arbeitszeiten, Präsenzpflicht – spätestens mit Corona hat sich gezeigt, wie viel flexibler wir unsere Arbeit gestalten können, wenn es Not tut. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nach wie vor ein ausschlaggebendes Kriterium für viele Beschäftigten. Pflicht oder nicht: Home-Office wird bleiben. Einer Studie zufolge können Remote-Angestellte sogar engagierter sein als Büroangestellte, sofern sie genug Feedback von ihren Vorgesetzten bekommen. Umfragen zeigen aber auch, dass die meisten Angestellten eine hybride Form des Arbeitens bevorzugen, zum Beispiel zwei Tage im Büro, drei Tage zuhause. Flexible Arbeitszeiten helfen den Mitarbeiter:innen, sich nicht fremdbestimmt zu fühlen und sich nach den eigenen Biorhythmen zu richten, was sich positiv auf Leistung und Motivation auswirkt und Burnout vorbeugen kann – ebenso wie weniger Pendeln. Nicht das “Wie” vorgeben gilt aber auch für die Art des Arbeitens: Wer im Job mehr entscheiden kann, leidet zum Beispiel weniger an Rückenschmerzen, wie eine Metaanalyse zeigte. Wie Mitarbeiter:innen ihre Ziele erreichen, sollte also besser ihnen überlassen werden.

4. Ruhig Blut: Kein Hamsterrad zulassen

Jede:r hat mal eine stressige Woche, aber Arbeit, die krank macht, sollte spätestens in diesem Jahrzehnt Tabu sein. Zu viel Stress, zu hoher Leistungsdruck und kein Überstunden-Ausgleich gehören zu den häufigsten Kündigungsgründen.  Oft brennen die engagiertesten Mitarbeiter:innen als erste aus, was nicht gerade zum Erfolg führen kann. Wer ständig zu viele Aufgaben aufgehalst bekommt, kann sich schlechter konzentrieren und leistet als Folge weniger. Dauergestresste Teams entwickeln zudem oft eine unbewusste Verweigerungshaltung. Viele Unternehmen haben das verstanden und verbieten ihren Angestellten Überstunden. Weitere kleine Kniffe: Keine Meetings kurz vor dem Feierabend, keine neue Aufgaben kurz vor Wochenende, keine Dauer-Erreichbarkeit erwarten. Anonyme Stress-Umfragen können einiges offenbaren, Workshops für Selbstmanagement, Konzentration und Burnout-Prävention helfen ebenfalls. Aber vor allem sollte das Team unbedingt eingebunden werden, wenn es darum geht, was realistisch wann erreicht werden kann – und was nicht.

5. Gesundheit als Basis, nicht „on top“

Das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz ist für viele Unternehmen immer noch die “cherry on top”, eine hübsche Ergänzung, mit der geworben werden kann. In der heutigen Zeit sollte Gesundheit eher als integraler Bestandteil jeder Arbeit verstanden werden. Leistung und Erfolg sind nur mit gesunden Menschen möglich. Kleine Dinge zählen bereits: Ergonomische Arbeitsplätze mit Stehtischen, Ruheräume und Möglichkeiten für Rückzug und konzentriertes Arbeiten – und wer richtig fortschrittlich ist, für Powernaps. Laut Studien können sogar Obstkörbe signifikant das Arbeitsklima verbessern. Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stress gehören zu den häufigsten Gründen für Ausfälle und Krankheiten – Rückenkurse in der Mittagspause, Gesundheitscheck und Workshops für Stressprävention können die Ausfallzeiten deutlich reduzieren und die Motivation erhöhen. Auch hier gilt: Die Mitarbeiter:innen wissen am besten, was sie brauchen.

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Gedanken und Realität

Wer sich vor dem Arbeitstag mental vorbereitet, hat mehr Energie und ist positiver gestimmt, zeigt eine Tagebuchstudie mit 151 Probanden. Wie das geschieht, ist einerlei: Einige der Befragten dachten unter der Dusche über ihre Ziele oder Lösungsansätze nach, andere gingen im Kopf ihre To-Do-Liste auf dem Arbeitsweg durch und stimmten sich so auf ihre Aufgaben ein. Gedankliche Vorbereitung kann helfen – wichtig ist jedoch, ihr eine feste und begrenzte Zeit einzuräumen, sodass Du nicht ins Grübeln verfällst.